Chronik

Chronik der Feuerwehr Bischofsheim

Das Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Bischofsheim ist der 1. Juli 1868.

Die Gründungschronik der Feuerwehr ist in sauberer alter deutscher Schrift und gut leserlich geschrieben und zeigt beeindruckend auf, welch bedeutende Stellung in diesem Zeitraum Bischofsheim weit über die Grenzen der Rhön innehatte.

Seltsam erscheinen mag es auch, dass bei der Gründung der Feuerwehr der damalige Pfarrer, der Hauptinitiator zusammen mit dem damaligen Lehrer gewesen ist.

Prominente waren seinerzeit noch in Ämtern der Stadt vertreten. Angesehene Geschäftsleute und Bürger schlossen sich dem Aufruf des Pfarrers an und trugen damit Verantwortung für das Wohl und Wehe Bischofsheims, das wiederholt von schweren Brandkatastrophen heimgesucht worden war.

Lückenlos sind die Protokolle der ersten zehn Jahre in der Chronik vorhanden, wobei nur die Aufzeichnungen von 1901 bis 1905 fehlen. Der erste Eintrag ist auf den 23. Oktober 1868 datiert und lautet:

Der polytechnische Bezirksverein Bischofsheim. Die auf heute anberaumte Plenarversammlung hat aus Anlass des jüngsten Brandunglückes dahier, einstimmig den Beschluss gefasst, dahier in Bischofsheim eine freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen unter der Voraussetzung dass die Stadt die notwendigen Mittel zu den notwendigen Rettungs- und Löschrequisiten beschafft. Die anwesenden Mitglieder versprechen durch Unterschrift, der zu bildenden Feuerwehr beizutreten“

Unterschriften wurden von Schmitt (Pfarrer), Tann (Lehrer) und weitere geleistet.

Nach aufgezeichneter Wahl des Ausschusses heißt es weiter:“ Dieser Ausschuss übernimmt die Aufgabe, alles Nötige zu beraten und anzuordnen, um den Verein schleunigst ins Leben zu rufen.“ gezeichnet Schmitt, Vorstand

Unter Pfarrer Schmitt, Bürgermeister Deutsch, Färber Richard Schumm, und Kaufmann August Hohn, – als Schriftführer Lehrer Tann ­– konnte am selben Abend ein Mitgliederstamm von 44 Freiwilligen verzeichnet werden.

Mit Schreiben der „Stadtgemeinde Bischofsheim vor der Rhön“ vom 12. November wird „dem verehrlichen provisorischen Ausschuss der freiwilligen Feuerwehr werden 2.500 Gulden zugesagt.

Nach dem Antrag, handelte es sich um Buttenspritzen und zwei Spritzen mit Saug und Druckeinrichtung – 400 Fuß Schläuche und übrige Ausstattung der damaligen Zeit.

Angeschafft wurden dann: 1 Schubleiter, Haken und Dachleitern, Rettungsschlauch, Steigergurte mit Beil, Signalinstrumente, Laternen und natürlich unsere zum Teil erhaltenen Messing­helme wurden 1869 von der Spenglerinnung in Augsburg gefertigt und von einem Boten Hartung in Schweinfurt übernommen, da es eine Eisenbahn noch nicht gab.

In jedem Haus musste ein Tucheimer vorhanden sein, versehen mit der jeweiligen Hausnummer, denn damals ging es noch „Durch die Hände langer Kette“ (Schillers Glocke).

Die Mannschaft wurde so aufgestellt, damit jeder seinen evtl. Berufsfähigkeiten eingesetzt werden konnte. Der Zimmermann fürs Dach oder Leiter. Da gab es eine Spritzenmannschaft, eine Rettungsmannschaft, Eimerzug und Wasserzubringer. Selbst an dekorative Sternchen wurde gedacht und als Helme wurden abgelegte Militärhelme empfohlen. 1600 fl. wurden für die Erstausstattung einschließlich zwei Spritzen und Schlauchmaterial ausgegeben. 95 Mann stark war die Gründungsmannschaft, 1925 165, 1929 195.

Mit eigenhändiger Unterschrift mussten die Männer sich den gegebenen Statuten unterordnen. Als 1. Kommandant wird zum 6. Januar 1869 Friedrich Schumm genannt. Mit bittendem Antrag wurden Bewerber in die Feuerwehr aufgenommen.

Behördlich registriert, wurden damals auch überregionale Übungen veranstaltet, wie ein Schreiben der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt vom 5. August 1869 besagt, wo das „Commando“ Bischofsheim zu einem Schul-Hauptmanöver“ eingeladen wird.

Selbst auf internationalen Parkett schon bekannt, erhielt die Bischofsheimer Wehr ein Schreiben, aus dem ungarischen Pest, mit welchem Edemund, Graf Széchényi namens des Festcomité zum ungarischen Feuerwehrtag einlädt wo „ Kameraden aller Länder und Nationen“ zusammenkommen.

Vier Tage dauerte das große Feuerwehrfest bei den Madiaren.

Mit „Brudergruß und Handschlag“ lädt die Feuerwehr Schweinfurt auch 1869 zum Stiftungsfest ein, ebenfalls Augsburg. Rege Aktivitäten zeigt die alte Chronik auf, deren letzter Eintrag ist auf den 21. November 1878 datiert.

Es gab auch mehrmals Kommandowechsel „Herr Kaufmann und Schlosser Alois Mahaleth“, „Herr Schönfärber, H. Mauerer, noch bekannte Namen wie Michel Barthelmes waren mitverantwortlich tätig.

Nicht immer ging alles immer ganz glatt, wie ein Schreiben des damaligen Bürgermeisters Deutsch vom Januar 1871 besagt, wo das Stadtoberhaupt ein ganz energisches Wort schriftlich an den Verwaltungsausschuss der Feuerwehr richtete.

Auch ist verzeichnet, der Heimkehrergottesdienst nach dem Feldzug 70/71 – die Bemühungen – die Wehr bei den Wirren des Krieges 1914–18 in Form zu halten und schließlich die Inflation zu überstehen. Eine äußerst starke Wehr ist in den zwanziger Jahren zu verzeichnen, wobei im Jahre 1928 ein bebenderer Höhepunkt – die Beschaffung der ersten Motorspritze (eine Balke 1000 Ltr) war. Die Zwangsernennung während des dritten Reiches, als Feuerschutz­polizei, war nicht gerade die beste Lösung in der Feuerwehrgeschichte. Auch der Mannschaftsstand ging auf die Leute zurück, die nicht bei einer anderen Organisation waren.

So brachten die Kriegswirren 1938–1945 für die Wehr allerhand Belastung. Ab 1942 bestand die Mannschaft aus ergrauten Männern, Jünglingen – die wiederum zur Wehrmacht gezogen wurden, sodass im Jahre 1944 eine Weibliche Feuerwehr verpflichtet wurde. Zusammen mit den betagten Männern mussten 60 Frauen und Mädchen den schweren Dienst, hervorgerufen durch die vielen Fliegeralarme verrichten. Ihr Kommandant war Dora Löhrlein.

Mit einem Rückblick auf die nachträglich erfassten Geschehnisse während des 2. Weltkrieges fährt der Chronist mit einem Eintrag für den 6. Januar 1940 weiter. Er beinhaltet, dass 1939 eine gut funktionierende Wehr unter Leitung des Landwirts und Wagners Josef Mai bestand.

Nachfolger wurde Gregor Roth, der tragisch ums Leben kam. Ab März 1942 folgte Spenglermeister Karl Link als Kommandant. Im Kriege selbst mussten Schulentlassene auf Frauen und Mädchen zum Feuerwehrdienst herangezogen werden, sie wurden während der Nazizeit als Feuerschutzpolizei bezeichnet. Im März 1945 gab es nach einem Fliegerangriff einen Ernstfalleinsatz. Schwer hatte es dann der neu gewählter Kommandant Ludwig Maisch eine einsatzfähige Wehr aufzustellen. Das Gerät war im schlechten Zustand, selbst die Uniformen blieben verschwunden, obwohl ein dringender Aufruf ergangen war. Lange Jahre war Karl Barthelmes für die Bischofsheimer Wehr, auch auf Kreisebene verantwortlich tätig.

Nach dem Unseliegen Krieg 1945 wurden bewährte Führungskräfte durch die Einmischung der Besatzungsmacht außer Kurs gesetzt es zeichneten sich die Folgen schon bei einem Großbrand 1945 ab. Man sah es später zwar ein, dass man hier und überall das Kind mit dem Bade verschüttet hatte, aber es dauerte wieder Jahre um das aufzuholen was gerade in dieser Zeit schleifen gegangen war. Erst ab dem Jahr 1950 konnte die Wehr in Punkte Ausrüstungsbeschaffungen langsam nach vorne ziehen.

Der Kampf um jedes Stück – Verwaltungsrat contra Stadtrat war nicht immer leicht.

So hat 1953 unsere Motorspritze noch das zeitliche gesegnet und wiederum standen wir mit unserem alten guten Stück, die Saug und Druckspritze /4 Monate lang allein. Zur Beschaffung eines Großgerätes hatten wir von den damaligen Kreisräten keine rechte Unterstützung und unser Antrag auf Beschaffung eines zweiten Kreisgerätes der Zuschuss verweigert. Unter Bürgermeister Ferdinand Krenzer wurden sodann im Jahre 1953 und 1954 je eine TS/8 mit Zubehör beschafft. In der Nachfolge des zum Ehrenvorstand ernannten Ferdinand Krenzer hatten wir an Bürgermeister Hermann Fromme einen väterlichen Vorstand und Förderer gehabt. Es ist nur zu ahnen­ in wieweit er für uns mit seinem Gehalt und sonstigen Spenden zur Verbesserung der Wehr und Kameradschaftspflege zur Opferung gegangen ist. Ihm oblag auch die Planung des neuen Gerätehauses (am Friedhof), das 1968 bezogen wurde. Die alte Unterkunft musste dem Kirchenan- und umbau weichen. Zwei bittere Jahre galt es zu überbrücken, da unsere Wehr keine rechte Bleibe hatte und eine Grundausbildung und Gerätepflege nur bedingt möglich war.

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte verdanken wir unserem Förderermitglied Philipp Kirchner, der eine Reparaturwerkstatt hatte, dass wir mit einem VW „Bulli“ (T1) motorisiert wurden.

Als weiterer Höhepunkt wurde im Jahr 1968 das 100 jährige Bestehen gefeiert, hierbei entwickelte sich die heute noch bestehende Patenschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Heide in Holstein.

1972? konnte das erste Wasserführende Fahrzeug (Tanklöschfahrzeug, kurz TLF 16/25) seinen Dienst aufnehmen, welches vom Landkreis gestellt wurde Etwa ein Jahrzehnt später wurde in einem Anhänger die Zusatzbeladung für Technische Hilfeleistungen bei entsprechenden Einsätzen mitgeführt. Diesem verbesserungswürdigen Zustand konnte 1992 mit einem neuen Löschgruppenfahrzeug (LF 16/12) Abhilfe geschaffen werden.

Winfried Mai, der 1987 zum Kommandanten gewählt wurde, erkannte rechtzeitig die nötigen Maßnahmen, die zum Erhalt einer weiterhin „modernen Feuerwehr“ nötig waren, auch mit der Gründung einer Jugendgruppe (1988 ) und einer Damenfeuerwehr (1993).

Wachsende Aufgaben und die hierfür nötigen Ausrüstungsgegenstände ließen Um- und Erweiterungspläne für die Unterkunft entstehen. Der damalige Bürgermeister und Vorstand Hans Repp bewies mit seinem Stadtrat Weitblick, denn man konnte von der Notwendigkeit zum Bau eines neuen Feuerwehrhauses überzeugen, welches dann im Jahr 1995 in der Weisbacher Straße gebaut wurde. Ein hohes Maß an Eigenleistung der Feuerwehrleute wurde vorausgesetzt. So wurden unter der „baufachlichen Feuerwehrleitung“ von Edgar Hüttner (ehem. 2. Kommandant) viele Stunden von den Kameraden am Bau geleistet.

Nachdem Winfried Mai 1999 in der Kreis-Feuerwehrführung eine Kreisbrandinspektion übernommen hatte, konnte er das Amt des Kommandanten nicht weiter ausführen. Neuer Kommandant wurde Heiner Mai. 2005 konnte das Tanklöschfahrzeug 16/25 durch eines sehr modernes Fahrzeug ersetzt werden. Es handelt sich um ein Vorführfahrzeug mit umfangreicher Ausstattung.

Der Fuhrpark der Feuerwehr Bischofsheim besteht derzeit aus

1 Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 Baujahr 2003

1 Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 Baujahr 1992

1 Tragkraftspritzenfahrzeug TSF

1 Mehrzweckfahrzeug Unimog

1 Schlauchwagen SW 2000 Baujahr 1997 (Bund)

1 Mehrzweckfahrzeug Mercedes Sprinter

1 Hubschrauber-Außenlastbehälter SMOKEY 1, 5000 Ltr., mit Anhänger

1 Mehrzweckanhänger mit Auffahrschienen für Rollboxen

Auch die Historische Saug- und Druckspritze Vierrädrig, Größe 2 Baujahr 1895 ist noch vorhanden.

Ein besonderer Dank gebührt aber auch den Männern der Vergangen­heit, bei deren Wahl die strenge Vorschrift herrschte, dass Sie Energie, Geistesgegenwart und die Achtung der Mitbürger haben mussten.

Die Kommandanten der Feuerwehr Bischofsheim waren von 1868 – 2010

1. Friedrich Schumm 1868 – 1871
2. Alois Mahaleth 1871 – 1873
3. Hieronymus Maurer 1873 – 1892
4. Adam Weber 1892 – 1892
5. Ludwig Straub 1898 – 1903
6. Johann Hartung 1903 – 1905
7. Richard Dreisch 1905 – 1907
8. Josef Kessler 1907 – 1912

9. Gregor Eckardt 1912 – 1914
10. Anton Niederhübner 1914 – 1918

11. Johann Hartung 1918 – 1925
12. Josef Mai 1925 – 1940
13. Gregor Roth 1940 – 1942
14. Karl Link 1942 – 1945
15. Ludwig Maisch 1946 – 1949
16. Karl Barthelmes 1949 – 1974
17. Walter Lohbrand 1974 – 1979
18. Karl Hergenröther 1979 – 1987
19. Winfried Mai 1987 – 2000
20. Heiner Mai 2000 – 2006
21. Thomas Rauch 2006 – 2009
22. Dietmar Hohn 2009 – 2010
23. Thomas Geis 2010 – 2016
24. Christian Hoenen 2016 – 

Es sind dies die 24 Kommandanten die die Geschicke der Feuerwehr Bischofsheim leiteten bei ungezählten Einsätzen bei Großbränden und Notständen – in der näheren und auch weiterem Umgebung schlicht und treu zum Wohle und zur Ehre unserer Heimatstadt ihre Pflicht erfüllten.

Auch hat die Feuerwehr als Stützpunktfeuerwehr eine wichtige Stellung in der oberen Rhön eingenommen. Mit modernsten Gerätschaften ausgerüstet, ist sie eine leistungsfähige und gut ausgebildete Wehr, die auch in den letzten Jahrzehnten harte Feuerproben zu bestehen und bei Verkehrsunfällen manch schwierige Aufgabe zu bewältigen hatte. Als größte Feuerkatastrophe sei hier nur der Großbrand 1976 in den Höfen (heute Höfestraße) genannt. Aber auch im Jahr 2003 war ein Großbrand im Ortskern am Marktplatz. Für die schweren Verkehrsunfälle, die leider immer wieder passieren, sei einer im Jahr 2006 erwähnt, wobei 4 junge Menschen auf der B 279 das Leben verloren.

In den jährlichen Einsatzstatistiken wird ersichtlich, dass die Feuerwehr auch in der heutigen Zeit nicht an Bedeutung verloren hat, sondern einem immer breiteren Aufgabenspektrum gegenüber steht und an Bedeutung gewinnt.